OT: Greenpeace Energy (War: [Global] STRATO goes green)
Christof Donat
cd at actsoft.de
Wed Jul 4 18:52:08 CEST 2007
Hi,
> Greenpeace energy eG sagt ganz klar, wenn alle regenerativen
> Energieformen nicht liefern können, dann beziehen sie die verbrauchte
> Leistung von den Stadtwerken Schwäbisch Hall, welche mit
> Kraftwärmekopplung arbeiten.
OK, das hatte ich nicht gefunden. Immerhin gehen sie offen mit dem Problem um.
> Wasserstoffkreislauf ist unrealistisch, aller zumindest heute
> verbrauchte Wasserstoff stammt aus dem Cracken von Öl und nicht aus
> Elektrolyse.
Als stationärer Energiespeicher ist das gar nicht so unrealistisch:
http://www.solarhydrogen.com/ - eine Versuchsanlage von einem winzigen, völlig
unbekannten Energiekonzern ;-) Soweit ich es verstanden habe, waren die
Versuchsergebnisse durchaus erfreulich.
> Akku-Packs, - der Verlust und damit verbundenen Kosten bei der
> Umwandlung von einer in die andere Energieform ist für die Normal-Kunden
> untragbar. Das geht mal gerade um die Überbrückung ganz kurzer Zeiten von
> Sekunden bis Minuten.
Solche Akkus können schon richtig Energie speichern, wenn sie groß genug sind.
Ich hab mal als Student eine Weile bei DETA in Bad Lauterberg gearbeitet. Die
haben für Gabelstapler Blei-Gel-Akkus hergestellt die das Volumen von
Waschmaschienen hatten und das waren dort bei weitem nicht die größten.
Natürlich geht bei jeder Speicherung Energie verloren - Bleiakkus erreichen
aber mehr als 80% Ladewirkungsgrad. Es geht ja auch darum, Energie, die im
Moment nicht abgenommen wird zwischenzuspeichern, bis mehr gebraucht wird als
gerade produziert wird.
> Du hast sicher von den Druckluftspeichern in Salzstöcken gelesen,
Nein, das kenne ich noch nicht, aber es kling mal wieder nach einem zentralen
System zur Energiespeicherung. Dann braucht man natürlich extrem große,
leistungsfähige Speicher. Ich halte es aber für sinnvoller, die Energie nahe
beim Verbraucher zu gewinnen und nahe bei der Gewinnung zu speichern, also
mit relativ vielen, kleinen Speichern zu arbeiten.
> Einfachstes Beispiel ist die Wäsche für eine
> Waschmaschine. Du wählst das Programm, dass die Wäsche in den nächsten 5
> Stunden fertig sein soll, wann die Maschine wäscht, überläßt Du ihrem
> internen Energeibroker, der dann Ökostrom bezieht wann er besonders
> günstig ist, wenn besonders viel Sonne, Wind oder Waserkraft eben
> innerhalb der nächsten 5 Stunden da ist.
So funktioniert das nicht:
1. Ich möchte mitbekommen, wenn meine Wäsche fertig ist, weil ich sie dann
gleich aufhänge und so viel Energie fürs Bügeln spare.
2. Die meiste elektrische Energie verbrauche ich für die Arbeit. Da erzähle
ich dann dem Kunden: "Nein, ich kann jetzt den Bug nicht beheben. Mein
Computer bezieht erst in drei Stunden wieder Strom, dann kann ich weiter
machen." Oder soll ich es mit einer USV machen - dann sind wir doch wieder
bei vielen kleinen, verteilten Energiespeichern.
3. Der Energiebroker verbraucht auch Strom. Wenn jetzt jeder Radiowecker mit
Energiebroker daher kommt (der weckt mich dann irgendwann in den nächsten
5h), verbrauchen wir irgendwann für die Energiebroker mehr Strom als wir
dadurch einsparen.
> welche einen konstanteren Verbrauch im Netz ermöglicht,
Gerade bei konstantem Verbrauch schneiden die Solar- und Windanlagen schlecht
ab. Sie können ja nicht konstant Energie liefern. Nachdem im Extremfall
(Nachts bei Windstille) keine dieser Anlagen auch nur ein wenig Energie
liefern kann, muss die konstante Last ja dann von anderen Kraftwerken gedeckt
werden.
> dadurch werden Reservekapazitäten, welche große
> Kraftwerke benötigen vermieden, das Netz kann dadurch mit schächeren
> Leitungsquerschnitten oder weniger Leitungen auskommen und man kommt mit
> dezentralen Energieversorgungen besser zurecht.
Du sprichst von dezentraler Energieversorgung, ich von dezentraler
Energiegewinnung.
Das heißt: jedes Haus kann ein kleines Kraftwerk sein (Solarzellen, bzw.
Kollektoren auf dem Dach, Erdwärme, Vergasung von Exkrementen und
Gartenabfällen, etc.) und dabei mehr Energie produzieren als in dem Haus
selber verbraucht wird.
Um bei eventuellen Problemen über ausreichend Energie verfügen zu können,
vernetzen sich die Häuser mit ihren Nachbarn und bezahlen für von dort
bezogene Energie. Der Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage im
Sekundentakt. Hat der Nachbar gerade selber nicht genug, bezieht er es von
den nächsten Nachbarn und schlägt auf den Preis auf, um Verluste aufzufangen
und für die Dienstleistung der Durchleitung. Ist dann der Preis von diesem
Nachbarn zu hoch, bezieht man eben von einem anderen, der gerade günstiger
ist. Das kann natürlich komplett die Regelungstechnik erledigen und immer den
günstigsten Nachbarn wählen, solange man Strom von außen beziehen muss.
Wenn also jemand einen Energiespeicher baut, kann er tagsüber den
überschüssigen Strom von den Solarzellen seiner Nachbarn speichern und ihn
nachts zurückverkaufen. Baut der Nachbar dann auch einen Energiespeicher,
spart er Geld, weil er seinen Solarstrom selber speichern kann.
Wie man da hinkommt? Langsam und von unten. So ähnlich funktionieren ja schon
diverse sogenannte Energiedörfer. Im Moment bin ich noch nicht in der Lage,
aber sollte ich einmal ein Eingenheim mit vernünftigen Nachbarn haben, werde
ich versuchen mit diesen auch ein solches Projekt in der Stadt zu starten.
> Im Augenblick jedenfalls nicht, deswegen wird ja auch am Ausbau der
> Langstreckenübertragugungen gearbeitet, um Energieüberschüsse aus weit
> entferneten Regionen übetragen zu können, was heute noch nicht richtig
> funktioniert.
... und auf Dauer dank Leitungsverlusten mehr Energie kostet als dezentrale
Speicher.
Christof
--
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