[Global] ALG-II [WAS: GEZ Gebühren ab 2007]
Enrico Weigelt
weigelt at metux.de
Tue Aug 1 12:52:58 CEST 2006
* Michael Hoennig <michael at hostsharing.net> wrote:
moin,
> > Die ganze ALG-II-Konstruktion ist ebenfalls pervers. Hier wird
> > Faulenzen belohnt und Arbeiten bestraft.
> >
> > Grade hier im Osten gibts eine Menge Leute, die mit Vollzeitjob
> > unterm Strich deutlich weniger raus haben, als einer der sich die
> > Eier schaukelt.
>
> ich möchte da nicht rauslesen, dass jeder oder auch nur die meisten
> ALG-II Empfänger Faulenzer wären. Dass allerdings viele Menschen in einem
> Vollzeitjob keinen Cent mehr haben als mit ALG-II ist auch richtig.
Nein, es ist das System, das die Menschen zur Faulheit erzieht.
Und gleichzeitig zerstört es die kontinuierlich die Psycho der
Betroffenen. Einerseits bekommen sie praktisch alles was man zum
Leben braucht bezahlt, leben damit (finanziell) besser als mancher
vollzeitbeschäftigte (was dort für erheblichen Groll sorgt).
Andererseits wird einem deutlich gemacht, daß man doch nutzlos für
die Gesellschaft ist - das stelle ich mir äußerst frustrierend vor.
Die Faulen freuen sich über das System, und die Fleißigen bekommen
gezeigt, daß im Grunde wohl doch die Faulen es richtig machen.
Noch abartiger wird es, wenn man sich ansieht, daß die Leute für
allerlei alltäglichen Kleinkrams nochmal extra Mittel bekommen.
Das ist nicht nur sinnlose Bürokratie, die nochmal fast das gleiche
Budget frißt, wie sie zu vergeben hat, sondern die Menschen werden
damit auch massiv entmündigt. Ein selbstständiges Leben wird ihnen
damit aberzogen. Das ist besonders kritisch, wenn schon Kinder
und Jugendliche in der Sozialhilfe stecken. Die lernen dann garnicht
erst, daß man mit Geld haushalten muß und jeden Tag aufs neue
Entscheidungen zu treffen hat, wofür man seine Mittel einsetzt.
Man bekommt ja alles von Pappa Staat vor die Nase gesetzt. Ob diese
jungen Menschen dann jemals in der Lage sein werden, später dann
auf eigenen Füßen zu stehen, darf man doch ersthaft bezweifeln.
Wie müßte ein ordentliches System aussehen ?
Forderung #1: jedem muß ein menschenwürdiges Leben möglich
sein (ergo: Wohnung, Nahrung, Kleidung, etc).
Forderung #2: Mehrverdienst muß immer lohnen
Forderung #3: Eigenverantwortlichkeit ist zu erhalten und zu fördern
Forderung #4: minimaler Verwaltungsaufwand
Somit muß jedem Einzelnen ein gewisses (regional abhängiges)
Gesamt-Budget zur vollen Verfügung stehen, damit er sich alles -
angefangen von Wohnung bishin zur Nahrung, udgl. leisten kann.
Jedoch keinerlei Einzelsubventionen, ganz gleich ob ein generelles
Wohngeld oder Einrichtungsgegenstände einzeln bezahlt werden.
Desweiteren muß jemand mit Einkommen immer mehr haben als jemand
ohne. Auch kleinst-Jobs müßen sich deutlich lohnen.
Damit landen wir bei einem Grundeinkommen für Einkommensschwache.
Das müßte dann über eine stetige Funktion in Abhängigkeit
des Einkommens und des regionalen Preisspiegels (ggf. auch noch
mit anderen Parametern, zB. Gesundheitszustand) dimensioniert werden.
Da wir ja auch noch die Einkommenssteuer haben, kann man gleich
mal zwei Gleichungssysteme zusammenfassen und das Grundeinkommen
als Konstante ausklammern. Ergo: bedingungsloses Grundeinkommen.
So ist dann auch die vierte Forderung erreicht. Das BlGE skaliert
linear: pro Antrag 1 A4-Seite, halbe Stunde Arbeit. Der Rest sind
vollautomatische Buchungen, die ein 19''-Rack alleine macht.
Aber erklär das mal einem Berufspolitiker ... ;-o
Deshalb Forderung #0: Informatiker an die Macht ! ;-)
cu
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